"Man ist nicht realistisch, wenn man keine Ideale hat"
Autor: Martin Sambauer

Als die Bundesrepublik Deutschland 1949 ihr neues Grundgesetz erhielt, wurde rechtlich der modernste Staat der Welt gegründet. Die ordoliberalen Konstrukteure dieser neuen Wirtschaftsordnung hatten hehre Ziele, die fernab vom Raubtierkapitalismus heutiger Prägung den Markt als Mittel sahen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen: ein menschliches und menschenwürdiges Leben. Prof. Peter Ulrich, der Inhaber des ersten Lehrstuhls für Wirtschaftsethik im deutschsprachigen Raum, wirft nach 50 Jahren Erfahrung mit diesem neuen Staat und unter dem Eindruck des modernen Wirtschafts- und Soziallebens einen messerscharfen Blick auf unsere Rahmenordnung und die verschiedenen ethisch-politischen Strömungen unserer Zeit. Dabei stellt er fest, dass das Denken der ordoliberalen Staatsgründer an einer bestimmten Stelle abriss und das individuelle Glück der Bürger ohne präzise Konzeption den schonungslosen Kräften eines zunehmend neoliberalen Marktgeschehens überließ. Andere wirtschaftsethische Entwürfe unserer Zeit reproduzieren diesen Reflexionsstopp und kommen deswegen zu keinen zielführenden Konzeptionen, sondern legitimieren den Status quo. weiter ...
Obwohl Ulrich das Buch bereits vor zehn Jahren schrieb, erweisen sich seine Analysen im Spiegel des heutigen Zeitgeschehens zunehmend als richtig und wichtig. Er geht den Wirkmechanismen des Marktes auf den Grund und kommt zu wesentlichen Notwendigkeiten unserer Zeit. Zusätzlich legt er eine visionäre Konzeption vor, wie man der gnadenlos zuschnappenden Ökonomismus-Falle entrinnen kann – eben durch eine integrative Wirtschaftsethik. Entlang der Vernunftkonzeption Kants und der weiterführenden Diskursethik Habermas' entwickelt Ulrich seine Leitideen einer neuen Geschäftsintegrität, republikanischer Mitverantwortung und deliberativer Unternehmenspolitik.
Wer das Buch aufmerksam liest, stellt fest, dass sich einige seiner Vorschläge zehn Jahre nach Veröffentlichung wie von selbst in der kritischen Öffentlichkeit entfalten. Allerdings sind diejenigen, die heute an den ordnungspolitischen Stellschrauben drehen, ziemlich unbeleckt von derartigen Ideen. Auch die Fachökonomen in den Konzernen folgen weiterhin dem wirtschaftsethisch vermeintlich bestens legitimierten Ruf nach Gewinnmaximierung, ohne die Vermittlung der unterschiedlichen Stakeholder-Interessen anzustreben.
Ulrichs Buch enthält allerdings derart grundlegende Ansätze, dass es langfristig unweigerlich seine Wirkung entfalten wird. Der zwanglose Zwang (Habermas/Ulrich) des besseren Arguments hat sich historisch bisher meist durchgesetzt, sofern es derart fundiert und nachhaltig vorgetragen wurde. Der ehemalige Rektor von St. Gallen Alois Riklin, der Ulrichs Lehrstuhl eingerichtet hat, schrieb: „Man ist nicht realistisch, wenn man keine Ideale hat.“ Diesem Wahlspruch seines Mentors entsprechend ruft Peter Ulrich dem Publikum aufklärerisch „sapere aude!“ (Wage zu denken!) zu und beschwört die heilende Kraft des Diskurses der mündigen Wirtschaftsbürger für Unternehmen und Gesellschaft. Eine wesentliche Aufgabe von Institutionen und Ordnungspolitik sei es, diesen Diskursen einen Entfaltungsraum zu geben. Ziel des Buches ist es, eine richtungsweisende Denklinie zu legen, anhand derer man eine Vernunftethik des Wirtschaftens bestimmen kann.
„Integrative Wirtschaftsethik“ ist ein philosophisches Fachbuch, dabei aber sehr verständlich geschrieben. Die Lektüre dieses Buches öffnet den Horizont hin zu einem neuen Denken, das wir für unsere Welt so dringend brauchen.

Buchtitel: Integrative Wirtschaftsethik. Grundlagen einer lebensdienlichen Ökonomie
Autor: Peter Ulrich
Autor: Peter Ulrich
Als die Bundesrepublik Deutschland 1949 ihr neues Grundgesetz erhielt, wurde rechtlich der modernste Staat der Welt gegründet. Die ordoliberalen Konstrukteure dieser neuen Wirtschaftsordnung hatten hehre Ziele, die fernab vom Raubtierkapitalismus heutiger Prägung den Markt als Mittel sahen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen: ein menschliches und menschenwürdiges Leben. Prof. Peter Ulrich, der Inhaber des ersten Lehrstuhls für Wirtschaftsethik im deutschsprachigen Raum, wirft nach 50 Jahren Erfahrung mit diesem neuen Staat und unter dem Eindruck des modernen Wirtschafts- und Soziallebens einen messerscharfen Blick auf unsere Rahmenordnung und die verschiedenen ethisch-politischen Strömungen unserer Zeit. Dabei stellt er fest, dass das Denken der ordoliberalen Staatsgründer an einer bestimmten Stelle abriss und das individuelle Glück der Bürger ohne präzise Konzeption den schonungslosen Kräften eines zunehmend neoliberalen Marktgeschehens überließ. Andere wirtschaftsethische Entwürfe unserer Zeit reproduzieren diesen Reflexionsstopp und kommen deswegen zu keinen zielführenden Konzeptionen, sondern legitimieren den Status quo. weiter ...
Obwohl Ulrich das Buch bereits vor zehn Jahren schrieb, erweisen sich seine Analysen im Spiegel des heutigen Zeitgeschehens zunehmend als richtig und wichtig. Er geht den Wirkmechanismen des Marktes auf den Grund und kommt zu wesentlichen Notwendigkeiten unserer Zeit. Zusätzlich legt er eine visionäre Konzeption vor, wie man der gnadenlos zuschnappenden Ökonomismus-Falle entrinnen kann – eben durch eine integrative Wirtschaftsethik. Entlang der Vernunftkonzeption Kants und der weiterführenden Diskursethik Habermas' entwickelt Ulrich seine Leitideen einer neuen Geschäftsintegrität, republikanischer Mitverantwortung und deliberativer Unternehmenspolitik.
Wer das Buch aufmerksam liest, stellt fest, dass sich einige seiner Vorschläge zehn Jahre nach Veröffentlichung wie von selbst in der kritischen Öffentlichkeit entfalten. Allerdings sind diejenigen, die heute an den ordnungspolitischen Stellschrauben drehen, ziemlich unbeleckt von derartigen Ideen. Auch die Fachökonomen in den Konzernen folgen weiterhin dem wirtschaftsethisch vermeintlich bestens legitimierten Ruf nach Gewinnmaximierung, ohne die Vermittlung der unterschiedlichen Stakeholder-Interessen anzustreben.
Ulrichs Buch enthält allerdings derart grundlegende Ansätze, dass es langfristig unweigerlich seine Wirkung entfalten wird. Der zwanglose Zwang (Habermas/Ulrich) des besseren Arguments hat sich historisch bisher meist durchgesetzt, sofern es derart fundiert und nachhaltig vorgetragen wurde. Der ehemalige Rektor von St. Gallen Alois Riklin, der Ulrichs Lehrstuhl eingerichtet hat, schrieb: „Man ist nicht realistisch, wenn man keine Ideale hat.“ Diesem Wahlspruch seines Mentors entsprechend ruft Peter Ulrich dem Publikum aufklärerisch „sapere aude!“ (Wage zu denken!) zu und beschwört die heilende Kraft des Diskurses der mündigen Wirtschaftsbürger für Unternehmen und Gesellschaft. Eine wesentliche Aufgabe von Institutionen und Ordnungspolitik sei es, diesen Diskursen einen Entfaltungsraum zu geben. Ziel des Buches ist es, eine richtungsweisende Denklinie zu legen, anhand derer man eine Vernunftethik des Wirtschaftens bestimmen kann.
„Integrative Wirtschaftsethik“ ist ein philosophisches Fachbuch, dabei aber sehr verständlich geschrieben. Die Lektüre dieses Buches öffnet den Horizont hin zu einem neuen Denken, das wir für unsere Welt so dringend brauchen.
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