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Diskurs

Samstag, 26. Januar 2008

„Eine perfekte Welt“ - Werbespott

Autor: Thorsten Timm

Eine endlose Wäscheleine spannt sich durch meine Erinnerung, an der sich weiße Laken im Wind blähen. Oder Tischdecken, an denen morgen die Festgesellschaft sitzt, um den Abschluss einer Lebensversicherung zu feiern. Nur Herr Kaiser wird nicht da sein, der ist schon wieder in anderen Reihenhaussiedlungen unterwegs. Dafür kommt Tante Helene, die immer die gute Krönung in der Tasche hat, weil Mutters Kaffee nicht schmeckt. weiter ...

Immerhin sieht Mutti besser aus, sie badet auch regelmäßig ihre Hände in Spülmittel. Ja, man muss offen für Neues sein. Deshalb fahren wir auch gerne in Urlaub. Mit unserer Versicherungskarte sind wir immer in guten Händen, auch wenn Vati mal wieder mit dem Auto in einen Gemüsestand rast. Die Italiener können ganz schön ungemütlich werden, aber dank der Allianz gab’s die breitgefahrenen Tomaten dann über die Spaghetti. Das war ein Fest.

Herrje, ist das lange her. Die Welt ist viel komplizierter geworden seitdem. Inzwischen hab ich selbst Familie. Jetzt ist das Leben nicht mehr so leichtfüßig, schließlich trägt man eine ganz andere Verantwortung. Man kann nicht mehr einfach in den Tag hinein leben. Meine Kinder sollen es ja mal besser haben. Da ist Weitsicht gefragt.

Bin gerade auf dem Weg vom Briefkasten mit meinem Tuareg ein bisschen durch den Wald gebraust. Ich genieß die Freude am Fahren, besonders wenn die Dieselwolken vor die sengende Sonne ziehen und so etwas Schatten spenden. Ja, so vor Weihnachten benutze ich die altmodische, gelbe Post, um Weihnachtskarten an die Tanten und Schwiegereltern zu verschicken. Sentimentale Traditionen. Die fünf kitschigen Musterkarten der mund- und fußmalenden Künstler reichen genau für die Verwandtschaft und kosten nichts. Meine mutierten Töchter hüpfen im Wohnzimmer Gummitwist. Sie haben dem Nachbarsjungen die Haut abgezogen und daraus einen Gummi geknüpft – kreative Mädchen! Ich mag das platschende Geräusch, das ihre Körper auf dem Tropenholzparkett machen. Meine Frau hat sie schon mit Toffifee und süßem Tee gefüttert. Wo ist sie eigentlich? Ach so, sie lässt sich ja freitags immer die Titten vergrößern, damit ich am Wochenende was Neues zum Spielen hab. Na ja, jetzt zum Ausspannen erst mal ab in die Ladestation. Ich bin ein Sony.

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