Library-Replicator
Autor: Thorsten Timm
Auf der Suche nach einem Bücherregal, man liest jetzt ja mehr, sieht nicht mehr so viel fern, was zwangsweise zur Anschaffung weiterer Regalflächen führt, will man seine Bücher nicht auf dem Boden stapeln, aber das steht nur echten Literaten zu, dieses wilde Stapelchaos und eigentlich auch nur in verqualmten Arbeitszimmern. In durchschnittlich zivilisierten Haushalten werden Bücher fein säuberlich in Regale gestellt. Das sieht dann ja auch recht gemütlich aus und verströmt viel eher den Charme des Bildungsbürgertums als ein großer Flachbildfernseher. Auf meiner Suche nach einem Bücherregal also stieß ich im Internet auf eine sehr interessante Software. weiter ...
Unter dem Suchwort „Bücherwand“ fand ich den –Library Replicator–. Dies ist ein kleines Tool für Fernsehredakteure. Die stehen täglich vor der Herausforderung, für ihren Bericht noch den O-Ton eines Experten einzufangen, weil das dem Beitrag mehr Glaubwürdigkeit und Leben verleiht als irgendwelche beliebigen Archivbilder. Nun sind echte Experten aber rar und im Zweifel teuer und sagen nicht unbedingt das, was der Autor gerne möchte. Bei der händeringenden Suche nach einem Menschen, der mindestens einen zusammenhängenden Satz sagen kann und wenigstens entfernt mit dem Thema zu tun hat, muss er sich auch noch darauf konzentrieren, eine passende Bibliothek zu finden, vor der man das Opfer ablichten kann. Hier hilft die kleine, praktische Software enorm. Anhand einiger Parameter generiert sie das Bild einer Bücherwand. An einem Stellrad lässt sich der Anteil der halbledernen Bücherrücken bestimmen, verschiedene Fachgebiete auswählen und einzelne Titel eingeben. Das so entstandene Bild wird anschließend im Video-Schnitt hinter den vor einem blauen Stück Stoff aufgezeichneten Experten montiert. Inzwischen ist mir auch klar, warum der gute Helmut Schmidt in Interviews immer wie ein Schlot raucht. Hinter den diffusen Qualmwolken lässt sich nämlich der Hintergrund nicht so leicht verändern. Mit seinen Rauchschwaden demonstriert er also: „Ich bin einer vom alten Schlag, ich habe keine Tricks nötig.“ Wie, Sie haben noch nie darauf geachtet, welche Bücher bei diesen Interviews im Hintergrund stehen? Sie werden doch nicht gebannt den Worten des Experten gelauscht haben? Aber auch das wird sich bald ändern, ist doch auf der Website des Herstellers der „Expert Replicator“ bereits angekündigt. In der Version 0.7 lässt sich dann mit ein paar Klicks aus Arztkittel, Nickelbrille und Co. ein passender Experte generieren, der dann auch ohne langes Briefing einfach den Text sagt, den der Redakteur hören will. Bleiben wir also doch besser dabei, wieder mehr zu lesen und so seriös unser Wissen und unsere Bücherregale zu füllen. Wobei ... Welche Book-Replikator generiert eigentlich die ganzen Bücher?
Auf der Suche nach einem Bücherregal, man liest jetzt ja mehr, sieht nicht mehr so viel fern, was zwangsweise zur Anschaffung weiterer Regalflächen führt, will man seine Bücher nicht auf dem Boden stapeln, aber das steht nur echten Literaten zu, dieses wilde Stapelchaos und eigentlich auch nur in verqualmten Arbeitszimmern. In durchschnittlich zivilisierten Haushalten werden Bücher fein säuberlich in Regale gestellt. Das sieht dann ja auch recht gemütlich aus und verströmt viel eher den Charme des Bildungsbürgertums als ein großer Flachbildfernseher. Auf meiner Suche nach einem Bücherregal also stieß ich im Internet auf eine sehr interessante Software. weiter ...
Unter dem Suchwort „Bücherwand“ fand ich den –Library Replicator–. Dies ist ein kleines Tool für Fernsehredakteure. Die stehen täglich vor der Herausforderung, für ihren Bericht noch den O-Ton eines Experten einzufangen, weil das dem Beitrag mehr Glaubwürdigkeit und Leben verleiht als irgendwelche beliebigen Archivbilder. Nun sind echte Experten aber rar und im Zweifel teuer und sagen nicht unbedingt das, was der Autor gerne möchte. Bei der händeringenden Suche nach einem Menschen, der mindestens einen zusammenhängenden Satz sagen kann und wenigstens entfernt mit dem Thema zu tun hat, muss er sich auch noch darauf konzentrieren, eine passende Bibliothek zu finden, vor der man das Opfer ablichten kann. Hier hilft die kleine, praktische Software enorm. Anhand einiger Parameter generiert sie das Bild einer Bücherwand. An einem Stellrad lässt sich der Anteil der halbledernen Bücherrücken bestimmen, verschiedene Fachgebiete auswählen und einzelne Titel eingeben. Das so entstandene Bild wird anschließend im Video-Schnitt hinter den vor einem blauen Stück Stoff aufgezeichneten Experten montiert. Inzwischen ist mir auch klar, warum der gute Helmut Schmidt in Interviews immer wie ein Schlot raucht. Hinter den diffusen Qualmwolken lässt sich nämlich der Hintergrund nicht so leicht verändern. Mit seinen Rauchschwaden demonstriert er also: „Ich bin einer vom alten Schlag, ich habe keine Tricks nötig.“ Wie, Sie haben noch nie darauf geachtet, welche Bücher bei diesen Interviews im Hintergrund stehen? Sie werden doch nicht gebannt den Worten des Experten gelauscht haben? Aber auch das wird sich bald ändern, ist doch auf der Website des Herstellers der „Expert Replicator“ bereits angekündigt. In der Version 0.7 lässt sich dann mit ein paar Klicks aus Arztkittel, Nickelbrille und Co. ein passender Experte generieren, der dann auch ohne langes Briefing einfach den Text sagt, den der Redakteur hören will. Bleiben wir also doch besser dabei, wieder mehr zu lesen und so seriös unser Wissen und unsere Bücherregale zu füllen. Wobei ... Welche Book-Replikator generiert eigentlich die ganzen Bücher?
Labels: Timm's Kolumne

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