"Glaubwürdigkeit ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Zukunft"
Redaktion: Kerstin Plehwe, in Ihrem neuen Buch Das Pinoccio-Paradox beschreiben Sie, wie eng Glaubwürdigkeit und wirtschaftlicher Erfolg zusammenhängen. Was ist für Sie glaubwürdige Kommunikation und wie haben Sie das Thema in Ihrem aktuellen Buch verarbeitet?
Plehwe: Glaubwürdigkeit ist, wenn Worte zu Taten passen, und umgekehrt, aber auch wenn keine falschen Erwartungen geschürt werden und beides liegt sowohl in Wirtschaft als auch Politik derzeit im Argen. Das Pinoccio-Paradox leistet anhand vieler praktischer Beispiele gelungener und weniger gelungener Kampagnen einen Beitrag zum Thema Kommunikation von Institutionen und Unternehmen nach Innen und Außen. Ein über Jahre beobachtetes und steigendes Misstrauen bei Bürgern und Kunden schädigt alle, die falsch oder gar nicht kommunizieren. Es hilft nicht, darüber zu lamentieren - Politik und Wirtschaft müssen die Chancen einer neuen Form des Dialogs mit ihren Zielgruppen erkennen und nutzen.
Redaktion: Was sind die Hauptursachen für diesen Vertrauensverlust?
Redaktion: Welche Formen der Kommunikation verlangen mündige Kunden und Konsumenten?
Redaktion: Was bedeutet das für die bisherigen Zielgruppendefinitionen?
Redaktion: Politik und Wirtschaft müssen also radikal umdenken?
Redaktion: Was können Unternehmen ganz konkret tun?
Redaktion: Sie sehen den direkten Dialog mit dem Kunden als Chance?
Redaktion: Corporate Citizenship oder Corporate Social Responsibility, so die auch hierzulande verwendeten englischen Fachbegriffe, so sagen Sie in Ihrem Buch lohnen sich auch finanziell?
Mann muss aber Mut haben, darüber sprechen, also das Berühmte: Tue Gutes und rede darüber. Man darf auch keine Angst vor kritischen Stimmen haben, die immer kommen, wenn man etwas Mutiges, Neues macht. Es ist erwiesen, dass Konsumenten sich bei vergleichbaren Produkteigenschaften eher für ein Produkt entscheiden dessen Hersteller glaubhaft zeigt, dass er sich gesellschaftlich engagiert. Das gilt übrigens auch, wenn der Preis des Produktes höher ist. Nur wenn die Motivation eines Unternehmens klar wird, warum etwa ein Produkt teuerer ist als Konkurrenzprodukte, dann sind Kunden auch bereit, mehr Geld zu bezahlen. Firmen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, wie etwa American Apparel, die lokale Arbeitsplätze in Städten schaffen, können hier eine völlig neue Rolle einnehmen.
Redaktion: In England und USA ist das Thema CSR schon länger ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur. Ist die angelsächische Kultur uns auch in der Kommunikation voraus?
Plehwe: Wir können hier viel lernen, vor allem was Dialog und Serviceorientierung angeht. Nicht nur wird proaktiv über CSR gesprochen, während das Thema bei uns eher noch im Verborgenen blüht und meist keine zentrale Rolle in der Gesamtstrategie von Parteien und Unternehmen spielt. Bereits der Präsidentschafts-Vorwahlkampf zeigt wieder einmal große Innovationen in allen Dialogformen. Die Kampagnen von Hillary Clinton und Barack Obama, die wir in unserem Wahlkampfblog bei der Initiative ProDialog sehr sorgfältig beobachten, zeigen deutlich, das die direkte Ansprache, soziale Netzwerke und informative Diskussionsforen, in denen die Kandidaten ehrlich antworten, sehr wirksame Mittel zur Erzielung von Glaubwürdigkeit sind. Auch hierzulande ist es längst nicht mehr so, dass jemand, der 25 Jahre SPD gewählt hat, das auch im 26. Jahr tut – viele Frauen, aber auch junge Männer haben nach Schröder zum ersten Mal Merkel und damit CDU gewählt, weil ihr Handeln authentisch, glaubwürdig und langfristig wirkt.
Redaktion: Ihr Buch ist also ein Plädoyer für mehr Dialog, eine neue Glaubwürdigkeit und neues Handeln, bevor Deutschland den Anschluss an die Weltmärkte verliert?
Die Autorin
Kerstin Plehwe arbeitet seit über 15 Jahren als Beraterin, Autorin und Rednerin für Politik und Wirtschaft. Nach Lebensstationen in Südafrika, USA und Japan lebt sie heute in Berlin und Hamburg. 2002 wurde Plehwe als erste Frau und zur jüngsten Präsidentin des Deutschen Direktmarketingverbandes gewählt. In dieser Funktion setzte sie sich intensiv für die Professionalisierung des Dialogmarketings und verbrauchernahe Nutzung integrierter Kommunikationskanäle ein. Seit 2005 ist Plehwe Vorsitzende der Initiative ProDialog, Berlin, deren Ziel die Förderung der Kommunikation zwischen Politik, Gesellschaft und Zivilgesellschaft ist. Seit 2007 moderiert sie außerdem die Sendung Politik konkret des Hauptstadtsenders TV Berlin und ist Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins ASTRAIA-Engagement für Deutschland e.V.
Ihr aktuelles Buch »Das Pinocchio-Paradox. Warum Glaubwürdigkeit zu wirtschaftlichem Erfolg führt« ist im Murmann Verlag erschienen und über die ISBN 987-3-86 774-022-7 im Buchhandel oder bei Amazon http://www.amazon.de/gp/search/ref=sr_adv_b/?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&search-alias=stripbooks&unfiltered=1&field-keywords=&field-author=Plehwe&field-title=&field-isbn=&field-publisher=Murmann&node=288100&url=&field-binding=&field-dateop=&field-datemod=&field-dateyear=&emi=&sort=relevancerank&Adv-Srch-Books-Submit.x=76&Adv-Srch-Books-Submit.y=11 erhältlich. Je 2 Euro vom Erlös jedes Buches kommen dabei dem Kindernothilfefonds des Deutschen Kinderhilfswerks zugute.
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